Ferdl

In dieser Woche feiert er sein Jubiläum: Ferdinand Judex ist seit 50 Jahren Mitarbeiter der BAUR-Gruppe. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Die Uhr zeigt 6:30 Uhr in der Früh. Es ist ein kalter Montagmorgen im Februar 1970, als Ferdinand Judex – besser bekannt als „Ferdl“ – seine Karriere bei BAUR beginnt. Sein erster Termin? Ein „Antrittsbesuch“, wie er es nennt. Mit sieben weiteren neuen Kolleginnen und Kollegen trafen sie sich im Büro des damaligen Geschäftsführers Hans Fehn. Heute, im Jahr 2020, feiert Ferdl ein selten gewordenes Betriebsjubiläum: Seit einem halben Jahrhundert ist er ein Teil der BAUR-Gruppe. Seine Betriebszugehörigkeit ist damit rund fünf Mal länger als im bundesweiten Durchschnitt.

 

Lieber Ferdl, stell dich bitte kurz vor.

Ich heiße Ferdinand Judex, bin 66 Jahre alt und lebe zusammen mit meiner Frau in Burgkunstadt. Ich hatte schon viele Aufgaben bei der BAUR-Gruppe. Derzeit bin ich unter anderem für die Pendelfahrten zwischen den BFS-Standorten Burgkunstadt, Neustadt bei Coburg und Bayreuth zuständig. Ich versorge sie mit der Post und weiteren Lieferungen.

 

Seit 50 Jahren bist du bei uns an Bord und hast in der Zeit sicherlich vieles erlebt. Wie aber bist du zu BAUR gekommen?

Angefangen habe ich am 2. Februar 1970 mit einer Ausbildung bei BAUR. Zuvor war ich bereits ein Jahr in einem Unternehmen in der Region als Lehrling beschäftigt. Die Arbeit gefiel mir dort aber nicht, weshalb ich mich nach einer Alternative umgesehen habe. Ich bin noch heute tierisch stolz darauf, hier gelandet zu sein. War es doch zur damaligen Zeit schwierig, eine Anstellung bei BAUR zu erhalten.

 

Wie ging es für dich nach der Ausbildung weiter?

Ich hatte mich auf eine freie Stelle in der Außendienstverwaltung beworben – eine Abteilung, die es heute nicht mehr gibt. Dort war ich für viele unterschiedliche Aufgaben zuständig. Man könnte sagen, ich war das „Mädchen für Alles“. Das hat mir echt Spaß gemacht, weil es so vielseitig und abwechslungsreich war! Der Millenniumwechsel brachte dann für mich eine berufliche Veränderung: Fortan war ich der „Postminister“ der BAUR-Kundenbetreuung und somit unter anderem für die Verteilung der Kundenbriefe zuständig. Das waren damals noch wirkliche Berge an Briefen und Bestellkarten. Was dazu führte, dass wir uns Unterstützung gesucht haben. Ein externes Team griff uns unter die Arme. Dazu gehörte auch ein, aus heutiger Sicht, unvorstellbar wirkender Job: Über mehrere Wochen fuhr ich mit dem Auto mehrere hundert Kilometer dorthin, um eine große Ladung Kundenbriefe zur Bearbeitung bei den Kolleginnen und Kollegen abzugeben. Mit der Zeit kamen dann weitere Sonderaufgaben dazu. Zum Beispiel Fahrt-Dienst bei wichtigen Unternehmensveranstaltungen oder der Kassendienst.

 

In 50 Jahren erlebt man sicherlich viel. Hast du ein besonderes Highlight?

Da sagst du was – in 50 Jahren erlebt man tatsächlich so einiges. Was mir spontan einfällt, ist meine Begegnung mit Dr. Michael Otto. Es war bei einem unserer Neujahrsempfänge auf Kloster Banz. Er war aus Hamburg zu uns gekommen und wollte nach der Veranstaltung zum Flughafen. Ich war an dem Abend als Fahrer eingeteilt und hatte es zum ersten Mal mit einem Automatik-Auto zu tun, was mich nervös gemacht hat. Dr. Otto war aber die Ruhe selbst. ‚Bleiben Sie ruhig, Herr Judex! Wir schaffen das!‘, sagte er. Das hat mich ungemein beruhigt. Außerdem erinnere ich mich an eine Weihnachtsfeier, bei der ich zusammen mit ein paar Kolleginnen und Kollegen als ABBA-Truppe aufgetreten bin. Ein großer Spaß!

 

Gab es auch Momente, die du in weniger guter Erinnerung hast?

Sicherlich! Ich denke, wenn man so lange Zeit in einem Unternehmen beschäftigt ist, gehört das dazu. Wenn ich ehrlich bin, hatten ich und einige Kolleginnen und Kollegen 1997 schon Bange, was die Übernahme durch die Otto Group bedeuten würde. Arbeitsplatzverlagerungen? Stellenabbau? Ich glaube, diese Gedanken kommen in solchen Situationen immer auf. Heute wissen wir, dass genau das Gegenteil der Fall war. Daneben hatte in den 90er Jahren auch mit dem Gedanken gespielt, mich auf eine Stelle bei Neckermann im Außendienst zu bewerben. Was ein Glück, dass ich BAUR treu geblieben bin.

 

Wenn du nochmal auf die vergangenen 50 Jahre zurückblickst, wie hat sich die Kultur im Unternehmen verändert?

Im Vergleich zu heute war der Umgang mit Vorgesetzten und Chefs sehr steif, hierarchisch und bürokratisch. Ich will damit nicht sagen, dass das Miteinander damals schlecht war. Zu dieser Zeit war das passend. Dass wir heute aber nicht mehr in dieser Weise zusammenarbeiten könnten, dürfte klar sein. Die Kultur in der BAUR-Gruppe hat sich stark verändert – ich empfinde sie als lockerer und offener. Und sie wird sich weiter verändern. Neben der Kultur haben sich auch noch weitere Dinge verändert. Vor allem die technische Ausstattung in unseren Büros und der Logistik ist eine komplette andere. Zu meiner Anfangszeit gab es zum Beispiel keine Computer in unseren Büros.

 

Nach dem Betriebsjubiläum ist vor dem Ruhestand. Was hast du geplant?

Noch freue ich mich nicht auf den Ruhestand. Ich kann die Füße nicht stillhalten; muss raus, zu Hause werde ich verrückt. Daher suche ich mir neue Aufgaben, die mich beschäftigen. Ich werde viel mit dem Fahrrad unterwegs sein, werde nach Bad Staffelstein fahren, um meine Frau von der Arbeit abzuholen. Im Tischtennis bin ich weiterhin aktiv und kann mich auch damit fit halten. Natürlich werde ich die Menschen hier und meine lieben Kolleginnen und Kollegen vermissen. Wir bleiben in Kontakt. Und dann sehen wir mal, was die Zeit so bringt (lacht).

 

Danke dir, lieber Ferdl, für das Gespräch.

 

 

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