Unser ehemaliger und sehr geschätzter Mitarbeiter Ottmar Jahn wurde mit dem Bundes-Verdienstkreuz ausgezeichnet. Ich wollte Ottmar gerne kennenlernen und habe ihn deshalb zu einem Interview eingeladen.

Das Verdienstkreuz ist die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat. Vergeben wird es für herausragende Leistungen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, geistige Leistungen oder ehrenamtliches Engagement.

Wenn es einer verdient hat, dann ist es Ottmar Jahn“ – so der Landrat Christian Meißner am 2. August bei seinem Empfang im Landratsamt. Er ehrte den Altenkunstadter Ottmar für seine Verdienste anlässlich der Aushändigung des Verdienstkreuzes. Im Bereich des Feuerlöschwesens und jahrelangem ehrenamtlichen Engagement in der Wasserrettung zeichnete sich Ottmar durch herausragende Leistungen und professionelle Einsatzbereitschaft aus.

Ottmar Jahn erbrachte aber nicht nur im privaten herausragende Verdienste, sondern bereicherte auch unsere BAUR-Gruppe mit seiner 35 jährigen Betriebszugehörigkeit. In einem Interview wollte ich Ottmar näher kennen lernen, um noch mehr über ihn zu erfahren.

 

Hallo Ottmar, möchtest du dich erst einmal kurz vorstellen?

Ich bin Ottmar Jahn, 65 Jahre alt und aufgrund meiner 45 jährigen Berufstätigkeit seit November 2019 in Rente. In Strössendorf wurde ich geboren und wohne heute direkt in Altenkunstadt. Ich bin seit 1974 verheiratet und feiere sozusagen bald schon goldene Hochzeit. Meine Frau und ich haben uns im Gymnasium Lichtenfels kennengelernt und danach geheiratet, da wir einen Sohn bekommen haben. Dieser ist heute selbst Vater einer Tochter.

Warst du denn immer bei der BAUR-Gruppe beschäftigt?

„Nach der Schule habe ich eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker begonnen. Die Firma ist leider Konkurs gegangen, weshalb ich dann meine Ausbildung bis 1980 bei meiner neuen Lehrstelle in Kronach fertig machen konnte. Danach hatte ich das Glück, bei BAUR anzufangen und war dort von 1983 bis 1992 in der Fernseher- und Computerwerkstatt tätig. Danach wechselte ich in den Benutzerservice des IT-Bereiches und habe dort die Netzwerke mit betreut. Nachdem ich Gruppenleiter für die Netzwerk-Infrastruktur war, wurde ich in den folgenden Jahren auch zum Stellvertreter des Rechenzentrumsleiters ernannt. Anschließend war ich bis zu meinem Renteneintritt für den neuen Aufgabenbereich Qualitäts- und Risikomanagement im Rechenzentrum verantwortlich. „

Ottmar – oder wie seine Kolleg*innen auch sagen: „Mr. 101 %“

Dazu muss gesagt sein, dass Ottmar während seiner langjährigen Betriebszugehörigkeit kein gewöhnlicher Mitarbeiter war. Es war ihm schon immer ein großes Anliegen, das Unternehmen zu unterstützen und etwas zu leisten. Aus diesem Grund wurde er von Kollegen auch oft „Mr. 101 %“ genannt. Er hat somit viel für die BAUR-Gruppe geschaffen, aber diese hat ihn wiederum stets dabei unterstützt sagt er. So gab es einige Herausforderungen und viele Projekte im Netzwerk- und Telefoniebereich, in denen er zum Teil auch als Projektleiter großartige Meilensteine erreichte. An eine konkrete Situationen erinnert er sich wie folgt:

„Es gab eine Situation, in der BAUR sein 75-jähriges Jubiläum feierte. Wir waren der Meinung, dass es aufgrund des Jubiläums zu einem starken Aufkommen von Bestellungen kommt und dies eine Überlastung der IT–Infrastruktur zur Folge haben könnte. Deshalb hatten wir die Idee, Richtfunkstrecken zwischen allen Standorten aufzubauen. Somit wollten wir die IT-Technik absichern, damit es zu keinen Ausfällen kommt und BAUR weiterhin Präsent bleibt. Die Technik war damals schwieriger und man brauchte Ideen. In diesem und vielen anderen Projekten hatte ich die Möglichkeit, viele meiner Ideen und Gedanken einfließen zu lassen.“ 

Dank Ottmar und seinen Kolleg*innen war also sichergestellt, dass die Verbindungen zwischen den Standorten auch in Ausnahmefällen wie einem Jubiläum bestehen bleiben. An zwei Extremsituationen erinnert er sich auch noch: „Zweimal habe ich es miterlebt, dass es in unserem Rechenzentrum am Wochenende zu einem Totalausfall kam. In beiden Fällen war ich dafür verantwortlich, übers Wochenende die komplette Koordination für die Instantsetzung des Rechenzentrums zu übernehmen.“

 

Was hat dir bei deiner Arbeit in der BAUR-Gruppe am meisten Spaß gemacht?

„Besonders gefallen haben mir die Freiheiten, die ich von der BAUR-Gruppe bekommen habe, um Projekte umzusetzen und Ideen wirken zu lassen. Auf der Feuerwehrebene im Bereich der Rettungsorganisation hatte ich 2012 die Projektleitung zur Einführung des Digitalfunks für alle Rettungsorganisationen im Einzugsgebiet der integrierten Leitstelle Coburg. Dazu gehören also alle Rettungsorganisationen wie die Feuerwehr, der Rettungsdienst, das THW und so weiter. Es war ein enormer Aufwand dieses Projekt umzusetzen.“

Ohne die BAUR-Gruppe hätte er das Projekt in dieser Form nicht umsetzen können sagt er: „Die BAUR-Gruppe hat mich für zwei Tage in der Woche freigestellt, um mein Projekt im Leitstellenbereich umsetzen zu können. Für die Umsetzung war trotzdem meine Lohnfortzahlung geregelt.“

Seine Erfahrungen sagt er, konnte er stets auf beiden Seiten anwenden: „Die Erfahrungen, die ich als Projektleiter und Mitarbeiter im Risikomanagement der BAUR-Gruppe gemacht habe, konnte ich wiederum für viele Projekte bei der Feuerwehr nutzen. Ebenso konnte ich Erfahrungen, die ich während meiner Arbeit bei der Feuerwehr sammelte, in der BAUR-Gruppe einsetzen. „

Denn 2012 gab es in Lichtenfels einen Katastrophenfall, bei dem er im Bereich Gefahrengut als Koordinator der Einsatzstelle diente. Hier war er dafür zuständig, dass weder Menschen, die Umwelt noch die Einsatzkräfte zu schaden kommen. „Diese Erfahrungen, die ich während des Großschadensereignisses in Lichtenfels als Mitglied der örtlichen Einsatzleitung erhielt, konnte ich beispielsweise wiederum in der BAUR-Gruppe einsetzen, als das Rechenzentrum ausfiel. Ich konnte meine Erfahrungen also sowohl in der BAUR-Gruppe als auch bei der Feuerwehr einsetzen.“

Gefallen hat ihm aber auch, dass seine Arbeit von der BAUR-Gruppe sowohl beruflich als auch privat wertgeschätzt wurde: „Es machte Spaß, dass das Engagement gesehen wurde und vor allem auch gefördert wurde, sei es durch Ausbildungen oder Schulungsmaßnahmen. Auch dass Leistungen seitens der Führungskräfte registriert wurden und ich in Besprechungen stets Feedback bekam, war gut.“

Zu seinen Kolleg*innen hat er ebenfalls noch Kontakt: „Auch wenn es ein großes Unternehmen ist, hat man trotzdem diesen familiären Zusammenhalt. Selbst nach meinem Ausscheiden aus der Firma habe ich noch vieles mitbekommen.“

 

Hast du damit gerechnet, dass du das Bundes-Verdienstkreuz bekommst?

„Es gab zwar Andeutungen, aber diese habe ich nicht wirklich ernst genommen. Ich habe mich eher gefragt „Ottmar, wieso sollst du das bekommen, du hast doch nur deinen Job gemacht?“ Es kam also völlig überraschend für mich.“

„Helfen aus Leidenschaft“ ist sein Motto, es war also nie sein Ziel Ehrungen irgendeiner Art zu bekommen:
„Zwar war ich unter anderem Hauptverantwortlicher dafür, das Rechenzentrum wieder zum Laufen zu bringen. Aber genau genommen bin ich doch nur ein Rädchen in dem ganzen Konstrukt – sei es die BAUR-Gruppe oder ehrenamtlich. Ich war doch nur derjenige, der die Koordination übernommen hat. Aber es waren doch genau genommen all die anderen, die diese Projekte erst so richtig möglich gemacht haben! Ich bin zwar stolz darauf, dass ich das Bundes-Verdienstkreuz bekommen habe, aber ich bin vor allem stolz darauf, dass ich es stellvertretend für alle bekommen habe, die jeden Tag – egal in Deutschland, im Landkreis oder weltweit – ihren Kopf hinhalten für Andere. Nur dafür allein nehme ich diese Ehrung entgegen.“

 

Was hat dich dazu inspiriert, ehrenamtlich tätig zu sein?

„Mit 18 Jahren habe ich bei der Feuerwehr in Strössendorf angefangen. Mein Schwiegervater war es aber damals, der mich intensiver zu den Organisationen gebracht hat. Durch ihn kam ich dann zur Stützpunktwehr nach Altenkunstadt. Mein Schwiegervater war auch Vorsitzender bei der Wasserwacht in Altenkunstadt, weshalb ich dort später auch Rettungsschwimmer wurde.“

Ottmar war schon immer interessiert am Tauchen, weshalb er bald einer der ersten Taucher in Altenkunstadt wurde. Dies kam ihm vor allem zu Gute, da er durch die Feuerwehr bereits viele Erfahrungen im Atemschutz hatte. Nachdem er zunächst Bezirkstauchausbilder im Bezirk Ober- und Mittelfranken war, stieg er später sogar zum stellvertretenden Landestauchausbilder des BRK auf.

Dann wirft Ottmar etwas ein, was ihm persönlich besonders wichtig ist: „Das alles hätte ich nie machen können, wenn meine Familie nicht da gewesen wäre. Beruflich als auch ehrenamtlich habe ich immer sehr viel Zeit investiert und meine Familie musste da sehr oft zurück stecken. Auf das, was meine Frau und mein Sohn verzichten mussten war extrem, aber trotzdem waren sie immer für mich da. Beide waren immer dabei – selbst an Wochenenden bei Lehrgängen. Sie haben mir immer den Rücken gestärkt und meine Frau hat ebenfalls ehrenamtlich bei der Wasserrettung mitgeholfen. Sie hat auch die Jugendarbeit in der Wasserwacht in Altenkunstadt sehr stark forciert und vorangebracht. Ich bin meiner Familie wirklich sehr dankbar dafür!“

 

Was bedeutet ein Ehrenamt für dich?

„Ohne ehrenamtliche Tätigkeiten funktioniert ein Staat nicht. Ein Ehrenamt ist für mich die Möglichkeit, den Staat und die Menschen so zu unterstützen, dass ihnen in jeder Situation geholfen werden kann. Ein Staat kann zwar vieles leisten, aber ohne das Ehrenamt kann vieles nicht umgesetzt werden. Ein Ehrenamt bedeutet aber auch, anderen zur Seite zu stehen und ihnen zu signalisieren, dass sie nicht alleine sind. Es ist also stets die Bestätigung, etwas Gutes getan zu haben. Ehrenamtlich zu helfen gilt für mich dabei aber nicht nur lokal, sondern weltweit.“

 

Was würdest du jungen Leuten mit auf den Weg geben, wenn sie sich für ein Ehrenamt interessieren?

„Wenn man in einem Verein ist, sollte man stets motiviert sein mitzumachen. Denn je mehr mitmachen, desto mehr Spaß macht die Arbeit in der Organisation. Man sollte nicht nur für die Sache leben, sondern auch für sich selbst, für die Anderen und für alle Ideen und Ideale.“

Ich fragte Ottmar auch, ob es schwieriger geworden sei, Nachwuchs in der Feuerwehr oder in anderen Vereinen zu finden: „Es ist schwieriger geworden und man muss auf jeden Fall mehr dafür tun. Wir fangen bereits in Kindergärten und Schulen an, mit der Brandschutzerziehung junge Leute für die Feuerwehr und andere Organisationen zu begeistern. Dabei ist es wichtig hervorzuheben, welchen Spaß und Erfolge die Kinder dabei erleben.“

 

Das macht Ottmar heute

Ab dem 65. Lebensjahr darf man in Bayern leider nicht mehr am aktiven Dienst der Feuerwehr teilnehmen. Somit ist Ottmar seit Januar diesen Jahres leider nicht mehr aktiv an den Einsätzen beteiligt. Davon lässt sich Ottmar aber nicht aufhalten, denn er ist dennoch im Feuerwehrverein tätig. „Ich fühle mich einfach noch fit“ – sagt er und bereitet deshalb so lange es noch geht die Feuerwehrübungen mit vor. Dieses Jahr hätte das 125 jährige Jubiläum der Feuerwehr Altenkunstadt stattgefunden, welches Ottmar als Festleiter mit vorbereitet hatte: „Es ist mir einfach wichtig, dass der Kontakt zum Verein nicht abbricht“. Dieses Fest musste wegen der Pandemie bisher leider ausfallen.

Ebenfalls unterstützt er in Kindergärten und Schulen die Bandschutzerziehung. „Das Mitwirken bei der Brandschutzerziehung ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Bei den Brandversuchen wird den Kindern gezeigt, welche Stoffe brennbar sind und wie man sich richtig bei einem Brand verhält: „Es gab Situationen, in denen Kinder bei einem Brand ihren Eltern erklärt haben, wie sie sich nun zu verhalten haben. Darauf ist man als Feuerwehrmann dann schon sehr stolz.“.

Ottmar hat aber nicht nur beruflich und ehrenamtlich spannende Erfahrungen gemacht, denn auch bei seinen Hobbys hat er schon so manche Abenteuer erlebt:
„Früher war es vor allem das Tauchen. Von Zeit zu Zeit hat es mich aber sozusagen von der Tiefe in die Höhe gezogen, denn mittlerweile zählen Bergtouren, und Klettersteige zu meinen Hobbys. Ich habe auch schon an mehreren Alpenüberquerungen teilgenommen, so zum Beispiel in einer Woche von Oberstdorf im Allgäu bis Meran – hoch auf den Similaun Gletscher (3606m), nahe der Ötzi-Fundstelle. Außerdem Fahre ich gerne Rad, gehe Laufen oder fotografiere. Hier wird mein Kopf erst richtig frei.“

 

Danke Ottmar, dass ich dich interviewen durfte. Deine Überzeugungen und Erfahrungen sind absolut inspirierend! Menschen wie du sind definitiv eine Bereicherung und ein Vorbild für unsere Gesellschaft!

 

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