Die App Clubhouse startete im April 2020 und löste während der Corona Krise zunächst in den USA einen „Hype“ aus. Seit ein paar Monaten gibt es die App nun auch in Deutschland und wurde so gut angenommen, dass sie sogar den populären Messengerdienst „Telegram“ verdrängte.

 

Aber fangen wir von vorne an: Clubhouse ist eine Audio-only-App, bei der du Gesprächen wie bei einem Live-Podcast lauschen oder dich aktiv an Diskussionen beteiligen kannst. Keine Kommentare, keine Likes, keine eingeschaltete Kamera, aber auch keine einfache Teilnahme: Denn wer mitmachen will, benötigt eine Einladung!

Unser Kollege Ralf Leister ist aktiver Nutzer der Clubhouse App und wird sogar als „Deutschlands bekanntester Clubhouse-Moderator“ beschrieben. Wir haben ihn zum Interview getroffen, um mehr über den neuen Social Media Dienst zu erfahren.

 

Hallo Ralf. Was hat dich an Clubhouse so begeistert, dass du dich auch unbedingt anmelden wolltest?

Ich habe Anfang Januar 2021 das erste Mal von Clubhouse erfahren. Dabei habe ich über eine Social Media Plattform durch meine internationalen Kontakte mitbekommen, dass über Clubhouse gesprochen wird. Am 10. Januar erhielt ich dann eine Einladung von einem Bekannten, habe mich direkt registriert und mich in der App ein bisschen umgehört. Am Anfang waren alle Gespräche noch auf Englisch, was ich sehr spannend fand, denn so konnte man sich quasi mit der ganzen Welt unterhalten. Da ich schon seit 2016 nebenberuflich als Moderator arbeite, habe ich mich ein bisschen intensiver mit der App und dem Thema beschäftigt habe und dachte mir: Das kann wirklich ein großes Ding werden!

 

Was ist deiner Meinung nach das „große“ Geheimnis der App? Wieso fühlen sich so viele Menschen von ihr angezogen?

Ich glaube, dass der Lockdown dabei eine große Rolle spielt, weil alle sich gerade so ein bisschen nach sozialer Interaktion sehnen. Bei den meisten Leuten wird es aufgrund der ganzen Regeln ähnlich sein wie bei mir, dass sie nur sehr wenig Menschen treffen, und wenn dann nur einzeln. Bei Clubhouse kann man sich jedoch bei jeder Diskussion beteiligen und gleichzeitig viele neue Kontakte knüpfen, die man sonst nicht gemacht hätte. So kam ich beispielweise schon öfter mit Vorständen oder Start-up Gründern in Kontakt. Das ist schon cool.

Insgesamt stelle ich mir bei der App immer ein großes Konferenzgebäude vor, wo man sich zu jedem Thema von einem/einer Expert*in aufschlauen lassen kann. Das fasziniert glaube ich ziemlich viele daran.

 

Du wirst teilweise als „Deutschlands bekanntester Clubhouse-Moderator“ beschrieben. Welche Geheimnisse musstest du dafür ausplaudern? 😉

Geheimnisse musste ich tatsächlich nicht ausplaudern. Bei Clubhouse ist das aber einfach so, dass wir nur die Stimme und unsere Worte haben und nichts anderes. Das führt dazu, dass dann ganz schnell Chaos herrscht. Naja, und ich habe es immer recht schnell geschafft, dieses Chaos zu strukturieren. Dadurch bin ich dann immer wieder in diese Moderationsrolle reingeschlüpft.

Ich finde, dass sich die Moderator*innenrolle bei Clubhouse auch nochmal von anderen Moderationen unterscheidet, da es wesentlich spontaner ist. Du hast eine viel größere Interaktion als bei einer klassischen Moderation oder Konferenz. Hier muss man situativ reagieren können und vielleicht mal schlagfertig und humorvoll sein – das hat mir geholfen. Aber das würde alles nicht funktionieren, wenn ich nicht auch eine unglaubliche Freude daran hätte, was ich tue.  Deshalb rate ich jedem/jeder, der/die auch auf Clubhouse aktiv werden möchte: Macht das nur, wenn ihr wirklich Bock darauf habt, weil man schon sehr viel Zeit in die App hineinsteckt.

 

Clubhouse sorgte ab der ersten Sekunde an für einen Hype in der Digitalszene. Würdest du sagen, dass der Trend für Clubhouse noch anhält oder ist der Hype schon wieder vorbei?

Der Trend ist auf jeden Fall am Abflachen. Im Januar oder Februar ging gar nichts an Clubhouse vorbei. Allerdings gibt es jetzt verschiedene Faktoren, auf Grund welcher es nicht mehr so stark genutzt wird. Das Thema „IOS only“ ist, glaube ich, der größte Kritikpunkt, also dass man die App nur auf Apple-Produkten nutzen konnte. Ab sofort soll die App jedoch in den USA auch für Android-Geräte verfügbar sein, und bald auch in Deutschland gelauncht werden. Ich glaube, wenn das soweit ist, wird der Hype nochmal Fahrt aufnehmen.

Ich erkenne aber auch, dass sich feste Gruppen gebildet haben. Also ich habe feste Formate, in denen seit Monaten dieselben Leute drin sind. Das ist schon toll, weil ich dann auch wirklich das Gefühl habe, die Leute kennenzulernen, obwohl ich sie noch nie gesehen habe.

 

Hat der Trend etwas bei den App Nutzer*innen bewirkt?

Also wenn Clubhouse morgen tot sein sollte, dann hatten wir eine geile Zeit und neue Kontakte fürs Leben. Außerdem finde ich es super interessant, dass Leute auf mich zu kommen und mich für Events buchen wollen, weil sie mich auf Clubhouse gehört haben. Das freut mich natürlich. Insgesamt glaube ich, dass Clubhouse bewirkt, dass man offener gegenüber Neuem ist. Allerdings glaube ich nicht, dass es das Verhalten der Menschen maßgeblich ändern wird, wie es beispielsweise damals bei Facebook der Fall war.

 

Clubhouse bietet viele Vorteile, hat aber auch seine Schattenseiten. Was findest du besonders problematisch?

Am Anfang war das Thema Datenschutz recht kompliziert. Bei mir ist es aber so, dass ich das Thema Datensicherheit immer abwäge und ich mich meistens dafür entscheide, weil mich die Lösung so sehr fasziniert. Dann ist es für mich auch okay.

Ein weiterer Punkt ist, dass Blinde oder Gehörlose natürlich ein Problem haben, die App zu nutzen. Das ist bei den anderen Social Media Diensten ja aber auch so.

Außerdem finde ich es problematisch, dass es keine offizielle Kontrolle oder Polizei gibt. Wenn man beispielsweise auf Facebook etwas Böses postet, kann dies von Facebook gelöscht werden. Bei Clubhouse kann man ja aber nicht immer zeitgleich zuhören und entscheiden, was anerkannt ist und was nicht. Das würde auch sonst sehr stark die Meinungsfreiheit einschränken. Auch werden manchmal Fake News geteilt oder die App wird anderweitig für manipulative Zwecke missbraucht. Da sind wir bzw. die Zuhörer*innen dann meiner Meinung nach in der Verantwortung, dass wir selektieren und nicht alles glauben, was wir auf Clubhouse hören.

 

Neben deiner Clubhouse-„Karriere“ arbeitest du in der BAUR-Gruppe. Was genau machst du denn bei uns?

Ich bin noch recht frisch in der BAUR-Gruppe, da ich erst am 01. März in das Unternehmen eingestiegen bin. Jedoch habe ich das große Glück, eine tolle Abteilung im Bereich Customer Experience and -services übernommen zu haben. Wenn unzufriedene Kund*innen anrufen, können sie hinterher zufrieden auflegen und all ihre Fragen konnten beantwortet werden – das ist unser Ziel! Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe.

Danke, Ralf, für dieses spannende Interview und deine Erfahrungen mit der Clubhouse-App 🙂

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