Rainer Hatzold begann 1968 seine Ausbildung bei BAUR. 50 Jahre lang war er bei uns Angestellter, bevor er sich nun in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat. Ein Leben lang bei der gleichen Firma, das kommt nicht häufig vor! Grund genug, ihn zu treffen und über seine fünf Jahrzehnte bei BAUR zu sprechen.

 

Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst, Rainer. Erzähl doch mal, wer bist Du überhaupt?

Hallo, mein Name ist Rainer Hatzold. Ich bin verheiratet, habe drei Töchter und wohne in Berndorf. Seit 50 Jahren bin ich für die BAUR-Gruppe tätig und wurde dafür erst vor Kurzem geehrt.

 

Wir gratulieren Dir erst einmal herzlich zu Deiner Ehrung Rainer! Aber fangen wir von vorne an: Wie bist Du damals zu BAUR gekommen?

Vielen Dank!
Wie bin ich zu BAUR gekommen? Es gab damals nicht viele Firmen, die Azubis eingestellt haben und handwerklichen Berufe sind für mich nicht in Frage gekommen. BAUR war auch schon damals ein Name, es war schon immer eine gut angesehene Firma und es ging aufwärts mit der Firma. Mir war klar, dass ich einen sicheren Arbeitsplatz haben würde.

 

Klingt nach einer logischen Entscheidung. Dein Arbeitsplatz hat sich doch aber sicher in den 50 Jahren geändert. Erzähl doch mal, welche Berufe hast Du denn überhaupt ausgeübt?

Angefangen habe ich mit meiner Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel. Gegen Ende meiner Ausbildung wurde ich in der Möbelspedition eingesetzt und in dieser Abteilung auch übernommen. Der Name „Spedition“ ist im heutigen Sinne sicherlich übertrieben, denn wir haben damals mit vier oder fünf LKWs angefangen! Die Tätigkeit war interessant und spannend, schließlich stellten wir für die Möbelfahrer die Auslieferungstouren in der gesamten Bundesrepublik zusammen. Bei uns begann die Digitalisierung bereits in den späten 80ern. Zu dem Zeitpunkt fuhren für BAUR mehr als 50 LKW, es mussten 120 Fahrer betreut und beschäftigt werden. Das Zauberwort hieß IT-unterstützte Tourenplanung. Dazu haben wir beispielsweise die Koordinaten der Stadtpläne für ganz Deutschland händisch erfasst – heutzutage unvorstellbar! Das war eine spannende Geschichte, dazu kam noch die Grenzöffnung – für uns bedeutete das neue Städte und natürlich neue Postleitzahlen. Eine Typographie, wie wir sie heute kennen, existierte damals nicht. Da gab es nur bunte Punkte auf dem 14 Zoll Monitor. Man könnte sagen, dass wir damals die Grundlagen heutiger digitaler Dienste wie beispielsweise Google Earth miterleben durften.

Nach 50 Jahren immer noch im Dienst für die BAUR-Gruppe: Rainer Hatzold.

Neben meiner Tätigkeit in der Möbelhalle begann ich damit, Seminare fürs Programmieren zu besuchen. So wurde ich zum Beispiel in der Kaufwelt eingesetzt, um neue Kassen mit zu installieren. Mitte der 90er wurde dann ein neuer Dienst bei BAUR aufgebaut, der sich nur um EDV-Angelegenheiten kümmern sollte. Ich war damals sozusagen Gründungsmitglied davon. Der existiert heute noch, damals waren wir aber nur zu dritt. Durch die Umstellung auf PC wurde der Dienst zur wichtigsten Anlaufstelle bei kleinen und großen Problemen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hause BAUR. Wir waren durch das Aufkommen des Internets und vor allem die Verbreitung der Handys für die PC-Entwicklung des ganzen Hauses zuständig, obwohl wir das nie gelernt hatten. Das war eine spannende Zeit, denn unsere Devise lautete „learningbydoing“.
Und seit 2010 war ich dann freigestellter Betriebsrat. In dieser Zeit war ich mitverantwortlich für die Arbeitszeiten, hauptsächliche Bereiche waren die Logistik und Callcenter. Nicht alle unsere Entscheidungen trafen auf Beifall bei den Kolleginnen und Kollegen. Aber ich glaube, dass unsere Entscheidungen viel dazu beigetragen haben, die Arbeitsplätze langfristig zu sichern und auch mehr Arbeit an die Standorte der BAUR-Gruppe zu bringen. Schließlich sind wir in dieser Zeit um fast tausend Mitarbeiter gewachsen.

 

Da hast Du ja ganz schön viel erlebt bei der BAUR-Gruppe! Was ist dir an Ereignissen denn besonders in Erinnerung geblieben?

Hm, positiv oder negativ? (lacht). Spaß beiseite, negativ ist mir tatsächlich nur die Schließung der Kaufwelt* in Erinnerung geblieben. Erst als sie geschlossen wurde, merkte man, wie wichtig sie für einen persönlich war. Dem ist allerdings der Erfolg der Kaufwelt vorausgegangen, das ist eindeutig eine positive Erinnerung! Der „Katalog zum Anfassen“ und die rasante Entwicklung waren ein riesen Erfolg! Ebenfalls positiv ist der Werdegang des Möbelgeschäfts, das hat mich persönlich natürlich sehr stolz gemacht. Aus heutiger Sicht war das damalige Wachstum und die bundesweite Lieferung ein wahnsinniger Erfolg – verbunden mit sehr viel Arbeit! Auch den Standard der Logistik so zu halten und voranzubringen war eine klasse Leistung. Viel dazu beigetragen hat, dass BAUR damals im Internet vormarschiert ist.
Wenn du auf ein bestimmtes Ereignis hinaus willst, werde ich mich immer an die Weihnachtsfeier erinnern, als BAUR damals den Umsatz von Einer Milliarde Mark geknackt hat! Es wurde eine Fahne in der Sporthalle gehisst und der damalige Geschäftsführer verkündete uns den Rekord. Was ich auch niemals vergessen werde ist der Besuch von Franz Josef Strauß 1984 bei unserer Betriebsversammlung.

 

Du hast den Erfolg des Internets schon angesprochen. 50 Jahre sind eine lange Zeit, da hat sich mit Sicherheit viel bei der BAUR-Gruppe geändert, Stichwort Kulturwandel, der ja immer wichtiger wird. Wie hat sich das Unternehmen Deiner Meinung nach entwickelt?

Also erst mal ist es schwierig, die Entwicklung des Unternehmens zu skizzieren. Seit 1997 gehören wir zur Otto Group, das hat natürlich vieles geändert.
Was den Kulturwandel betrifft, hat sich ehrlich gesagt für mich persönlich in Bezug auf Hierarchien nicht viel verändert. Das liegt aber vor allem daran, dass ich meistens tolerante Vorgesetzte hatte, mit denen ich mich gut verstand und die mir „freie Hand“ ließen. Auch Vertrauensarbeitszeit kannte ich schon lange vor dem Kulturwandel und ein gewisses Mitbestimmungsrecht war in meiner Abteilung normal. Natürlich war früher dennoch alles anders.
Was sich sehr geändert hat ist das Weiterbildungsangebot für die Angestellten. Das ist heute um ein Vielfaches besser als früher. Nach wie vor geht es aufwärts mit der BAUR-Gruppe. Selbstverständlich ist auch die BAUR-Gruppe nicht fehlerfrei, aber gerade das Wachstum von 1.600 auf knapp 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter macht mich stolz!

 

Es hat sich ja doch einiges bei der BAUR-Gruppe geändert, stand ein Arbeitsplatzwechsel für Dich nie zur Debatte?

Eigentlich nicht. Ich hatte hier immer sehr gute Kolleginnen und Kollegen und ein gutes Verhältnis zu allen. Ich hatte bei BAUR eine sichere Anstellung und mit drei Töchtern überlegt man sich schon, ob ein Jobwechsel das Risiko wert ist. Außerdem sind viele meiner Kolleginnen und Kollegen wiedergekommen, weil es ihnen bei neuen Arbeitgebern nicht gefiel. Ich hatte schlichtweg keinen Grund zu gehen 🙂 . Außerdem bin ich stolz, bei der BAUR-Gruppe zu arbeiten!

 

Das freut uns sehr! Jetzt aber genug von der Arbeit. Du bist jetzt in Deinem verdienten Ruhestand! Was machst du jetzt mit Deiner neu gewonnenen Freiheit?

Naja, so ganz weg bin ich ja noch nicht. Ich helfe bis Anfang 2019 noch bei einem Projekt aus, bei dem die Historie von Friedrich Baur dargestellt wird. Ansonsten steht jetzt erst einmal meine Familie im Vordergrund! Außerdem habe ich einen großen Garten, um den ich mich kümmern muss, ich bin Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Berndorf, bin im Gesangsverein tätig und Verantwortlicher für Projekte meiner Dorfgemeinschaft. Und ich möchte mit meiner Frau verreisen, jetzt wo ich Zeit habe. Auch mein kleines Hobby, die Fotografie, werde ich wieder vermehrt ausüben. Langweilig wird es definitiv nicht! 🙂

Das klingt auf jeden Fall vielversprechend. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast Rainer. Wir wünschen Dir für Deinen Ruhestand alles erdenklich Gute und bedanken uns für Deine 50 Jahre Einsatz für die BAUR-Gruppe!

 

*Die Kaufwelt BAUR wurde 1977 in Altenkunstadt eröffnet und war das größte Einkaufszentrum in Nordbayern. Allerdings musste der über viele Jahre erfolgreiche stationäre Handel von BAUR 2012 aufgrund von Strukturwandel und verändertem Kaufverhalten geschlossen werden, da sich die Kaufwelt wirtschaftlich nicht mehr trug.

 

Beitragsfoto: Rainer Hatzold bekam die Ehrenurkunde des Freistaats von Arbeitsministerin Kerstin Schreyer überreicht. Foto: Gert Krautbauer.
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