Was macht eigentlich unser Standort Sonnefeld?

Eineinviertel Jahre ist es her, dass unser Logistik-Standort Sonnefeld nach über 12 Monaten Umbaumaßnahmen wiedereröffnet wurde. Im Interview erzählt uns der Betriebsleiter des Standortes, Stefan Schäfferlein, mehr über seine Erfahrungen während des Umbaus und die Herausforderungen des letzten Jahres.

Hi Stefan, kannst du dich einmal kurz vorstellen?

Hallo, ich bin der Stefan, 45 Jahre jung und seit kurzem der neue Betriebsleiter des Standortes Sonnefeld. Insgesamt bin ich schon seit 24 Jahren beim BAUR Versand, also seit 1997. Seit 2013 bin am Standort in Sonnefeld tätig. Dieser Standort hat inkl. Außenlager eine Fläche von 95.000m² und beschäftigt ca. 1.000 Mitarbeiter*innen. Jeden Tag werden vom Standort Sonnefeld bis zu 125.000 Sendungen mit knapp 250.000 einzelnen Teilen versendet.

 

Der Standort Sonnefeld wurde ja im März 2020 neu eröffnet, nachdem er ein Jahr umgebaut wurde. Kannst du dazu ein bisschen mehr erzählen?

Von 2013 bis 2019 haben wir in Sonnefeld Bestellungen für Amazon abgewickelt. Das Sortiment ging dabei von Spielzeug, über kleine Gartengeräte bis zu kleinen Elektrogeräten – also alles außer Bücher und CD’s. Die Abwicklung für Amazon war anders als unsere eigene. Es gab viel Palettenregallagerung und die Kommissionierung erfolgte per Flurförderfahrzeug.

Im Jahr 2019 haben wir den Vertrag mit Amazon gekündigt, um uns speziell auf die Abwicklung für Otto bzw. den Konzernlogistikverbund zu fokussieren. Von 2019 bis 2020 war dann das Jahr des Übergangs. Unsere Mitarbeiter*innen von Sonnefeld sind nach Altenkunstadt gewechselt und haben dort ein Jahr unterstützt. In Sonnefeld haben wir in der Zeit alles umgebaut. Das heißt, wir haben eigentlich alles rausgerissen, die Palettenregale abgebaut und durch Fachbodenregale ersetzt, im Versand einen Sorter (=Sortiermaschine) eingebaut und Fördertechnik im Warenausgang installiert. Außerdem wurde der Brandschutz auf die neuen Begebenheiten angepasst. Das war schon ein großer Kraftakt, da wir für die ganzen Umbaumaßnahmen nur eine sehr kurze Projektzeit hatten. Aber wir haben es in time, in budget und in quality geschafft, sodass wir am 16.03.2020 die ersten Sendungen verarbeiten konnten.

 

Das war ja eigentlich genau gleichzeitig mit dem ersten Corona Lockdown in Deutschland. Gab es da irgendwelche Probleme?

Insgesamt war das schon eine komische Situation. Die Mitarbeiter*innen aus den Bürobereichen befanden sich alle plötzlich im Anywhere Office und sind damit auf Sicherheit und Distanz gegangen, was ja auch sinnvoll ist. Wir sind zum gleichen Zeitpunkt in den Betrieb und jeden Tag sind mehr Mitarbeiter*innen dazugekommen.

In den zweieinhalb Hochlaufmonaten haben wir 500.000 Teile mehr als geplant abwickeln müssen. Der online Bestellboom war in den Forecasts so nicht geplant.

 

Das ist schon ziemlich viel. Konntet ihr das denn alles so schaffen oder habt ihr auch neue Mitarbeiter*innen rekrutieren müssen?

Wir mussten permanent rekrutieren, denn es hat ein paar Struktureffekte gegeben. Einmal zum Hintergrund und fürs Verständnis: Es gibt in so einem großen Projekt immer Prämissen, die vorher festgelegt werden, z.B. Collischnitt (Teile pro Normkarton im Wareneingang), Durchschnittliches Artikelvolumen; Anteil Sendungen mit nur einem Teil; Sendungsschnitt am Sorter (Teile pro Sendung). Bei Abweichungen von diesen Faktoren wird z.B. die Produktivität und somit der Durchsatz und die Abwicklungskosten beeinflusst. Die Strukturen sind wiederrum abhängig vom Sortiment, Lagerbestand und vor allem von den Kundenbestellungen.

Trifft der geplante Schnitt nicht ein, weil z.B. die Kunden*innen nicht so viel oder öfter kleine Mengen bestellen, hat das immer Auswirkungen auf die Logistik. Ich mache mal ein Beispiel im Versand: Die fixen zeitlichen Aufwände beim Packen sind immer gleich, egal wie viele Teile in das Paket gelegt werden. Z.B. Versandkarton aufrichten; Rechnung beilegen, Versandetikett aufkleben, Paket auf Fördertechnik legen usw. Ob in das  Paket 2 oder 3 Teile hineingelegt werden müssen, dass macht kaum einen Unterschied. Somit werden bei schlechten Strukturen mehr Mitarbeiter*innen benötigt, um die gleiche Anzahl an Teilen am Tag zu bearbeiten oder es wird die geplante Tagesleistung unterschritten.

Der Personalaufbau war auf die Projektvereinbarungen abgestimmt. Somit mussten zu den geplanten Mitarbeiter*innen weitere aufgebaut werden. Ebenso wurden viele Überstunden geleistet. Nur so konnten wir die Situation meistern.

 

 

Was müssen denn deiner Meinung nach neue Mitarbeiter*innen für die Logistik mitbringen?

Kondition und das Interesse an normaler, gewerblicher Arbeit. Körperliche Arbeit sollte nicht fremd sein. Ein Normkarton kann bis zu 20kg wiegen, ein Paket im Warenausgang bis zu 31,5kg. Laufwege in der Kommissionierung können am Tag 10-20km ergeben. Auch Schichtarbeit sollte nicht abschrecken. Alles Weitere kann gelernt oder geübt werden. Manche Fertigkeiten werden nur durch viel Übung erreicht. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Eine ehrliche und wertschätzende Einstellung und kundenorientiertes Denken sind weiterhin vorteilhaft.

 

Was steht in Sonnefeld jetzt noch an?

Letztes Jahr hatten wir im Projektvertrag 25 Mio. Teile stehen. 26,5 Mio. Teile wurden abgewickelt. Dieses Geschäftsjahr ist eine Abwicklungsmenge von 40 Mio. Teilen vereinbart. So wie es aktuell aussieht, werden dieses Geschäftsjahr 46Mio Teile oder mehr abgewickelt..

Außerdem laufen noch Projekte, wie z.B. die Heine-Verlagerung zu Witt oder Next Day Delivery (NDD). NDD ist ein ziemlich wichtiges Projekt im Otto Konzern. Das Ziel: Die  Kundenbestellung soll spätestens nach einem Tag beim Kunden sein.- Das ist gar nicht so einfach, wie man sich vielleicht vorstellen kann. Das Produkt muss dabei unsere ganzen internen Prozesse durchlaufen, ins LC (LogistikCenter z.B. in Altenkunstadt) transportiert werden und rechtzeitig dort die Abfahrt erwischen… .

 

Was gefällt dir denn an deiner Arbeit am Standort Sonnefeld am besten?

Im letzten Jahr war es einfach nie langweilig und sehr abwechslungsreich. Gefühlt war alle fünf Minuten etwas anderes, vom Tagesgeschäft über Projektarbeit, bis hin zu operativen Themen. Sowieso ist der Versandhandel derzeit permanent im Wandel. Wir müssen konkurrenzfähig bleiben und uns weiter auf die Digitalisierung einstellen. Das macht es sehr spannend.  Außerdem finde ich es toll, mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen zu arbeiten Denn bei uns am Standort haben wir tatsächlich Mitarbeiter*innen aus 21 verschiedenen Nationen.

 

Möchtest du sonst noch etwas sagen?

Ich möchte mich noch bei meinen Führungskräften und Mitarbeiter*innen bedanken – besonders bei den Mitarbeiter*innen. Im vergangenen Jahr war ständig irgendwas anderes und wir hatten sehr viele Herausforderungen. Viele meiner Kolleg*innen haben in der Zeit zahlreiche Überstunden aufgebaut. Leider kamen die Entspannungsphasen viel zu kurz. Deswegen möchte allen Mitarbeiter*innen nochmal sagen: Danke für euren tollen Einsatz!

Vielen Lieben Dank für das Interview Stefan, es war wirklich sehr spannend mehr über Sonnefeld zu erfahren 🙂

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