BAUR-Geschäftsführer Patrick Boos unterwegs im Reich der Mitte

Patrick Boos, bei BAUR verantwortlich für Marke und Vertrieb, begibt sich für insgesamt fünf Tage auf Geschäftsreise nach China und erhascht dabei einen Blick in die mögliche Zukunft des E-Commerce. Gefolgt ist er dabei der Einladung von Google, um gemeinsam mit Kollegen aus der Otto Group und Vertretern anderer deutscher Handelsunternehmen die Städte Shanghai, Hangzhou und Peking zu besuchen. Ein Sightseeing Ausflug wird der Trip aber nicht, denn auf dem Programm stehen Vorträge, Besichtigungen und Diskussionsrunden bei chinesischen Unternehmen. Patricks Eindrücke und Erlebnisse haben wir hier für Euch zusammengefasst.

 

Warum ausgerechnet China?

Die Entwicklung des Digitalmarkts in Fernost ist spannend, weil sie sich rasant und in einer für uns kaum vorstellbaren Größenordnung bewegt. Ein Beispiel: Der Online-Händler Alibaba kann sich pro Jahr über einen Umsatz von 600 Mrd. US $ freuen, das ist in etwa doppelt so viel Umsatz, wie Amazon und ebay weltweit generieren! Deshalb schadet es nicht, den Blick zu weiten und fernab von Silicon Valley nach dynamischen Unternehmen Ausschau zu halten. Und genau das macht Patrick in China.

 

Los geht‘ s mit dem E-Commerce-Giganten Alibaba in Hangzhou

Alibaba sieht sich selbst nicht als klassisches Unternehmen, sondern als ein eigenes Wirtschaftssystem an. Klingt ganz schön selbstbewusst und genauso ist es auch gemeint! Denn Alibaba hat in vielen Bereichen, meist als Marktführer, die Finger im Spiel: Verkaufen und Ankaufen von Waren sowie die Bereitstellung einer Plattform für finanzielle Transaktionen, … Das ist aber noch nicht alles, denn Alibaba führt nicht nur den E-Commerce an, sondern betreibt auch einen gewöhnlichen Supermarkt. Gut, ganz so alltäglich ist er dann natürlich doch nicht, denn die Einkaufsmall steckt voller Ideen und Finessen. Wer im Umkreis von 3 km lebt, bekommt die Lieferung garantiert innerhalb von 30 Minuten zugestellt, meist kann aber auch dieser ehrgeizige Wert noch unterboten werden, denn die durchschnittliche Lieferzeit liegt bei 18 Minuten. Viele der Produkte kommen aber nicht nur schnell, sondern auch frisch beim Kunden an. Aus Wasserbassins wählen die Käufer aus verschiedenen Meerestieren aus und in weniger als zehn Minuten ist der Hummer oder die Languste dann verzehrfertig serviert, fast wie vom Fischmarkt!

 

Das Smartphone als Fernsteuerung für das ganze Leben

Absolut unverzichtbar ist für die Chinesen – selbst beim offline-Einkaufen – das Smartphone. Ohne Smartphone gibt es nicht mal einen Einkaufswagen, denn zum Shoppen muss dieser erst durch das Scannen des QR-Codes freigeschalten werden, das Ganze funktioniert also in etwa wie ein cleverer Chip. Denn so ist die Nachverfolgung des gesamten Einkaufswegs möglich. Mehr noch – auch wo der Kunde anhält und welches Produkt er sich ansieht, ist jetzt gespeichert. An das individuelle Einkaufsverhalten angepasst, erhält der Einkäufer Rabatte direkt aufs Smartphone zugesandt. Das bedeutet aber auch: Daten werden permanent gesammelt und erweitert, die Chinesen scheint es jedoch nicht zu stören – ganz im Gegenteil.  Über Apps, wie WeChat oder WEDoctor besteht nicht nur die Option, die eigene Krankengeschichte zu speichern, sondern auch die Scheidung einzureichen. Und diese Möglichkeit nutzen die Chinesen mit Begeisterung!

 

Eher weniger verzückt dürften auch die Chinesen selbst vom Smog sein, der sich über den Städten erhebt. Patrick berichtet aber von einem erhellenden Erlebnis: Als ranghoher Besuch ansteht, ist auch die Sicht wieder klar. Um den Gästen reine und saubere Luft zu bieten, drosseln die Fabriken seit zwei Wochen die Produktion oder stellen sie vollständig ein. Das Beispiel zeigt sehr gut, wie China funktioniert. Vieles ist zentral gesteuert, der Wettbewerb besteht aus harten Kämpfen. All das wirkt sich auf die Gesellschaft und die einzelnen Menschen aus. Schüler und Studierende sind gebrieft auf Bildung & Ehrgeiz, Kreativität & Kollaboration fallen unter den Tisch.

 

Zwischen Alibaba und JD

Im umkämpften Markt der Online-Händler zeigen sich die harten Bandagen im Konkurrenzkampf zwischen Alibaba und JD. JD ist, wenn auch kleiner als Alibaba, ein ernstzunehmender Konkurrent mit innovativen Ideen. Auch hierhin ist Patrick mit seinen Kollegen eingeladen. JD sieht sich selbst gegenüber Alibaba zukünftig im Vorteil, denn sie verfügen über eine eigene Logistik. Und die wird immer wichtiger, denn die Kundenwünsche steigen und somit gewinnt auch die logistische Abwicklung an Bedeutung. Genau an diesem Punkt setzt JD an. Zudem ist das Unternehmen von einer Verschmelzung von Online und Offline überzeugt. Wer beide Welten am besten vereint, so JD, geht als Sieger aus dem Kampf hervor.

 

Fazit

Die digitale Welt in China dreht sich rasant und wird durch einen harten Wettbewerb bestimmt, dessen Teilnehmer in einer Größenordnung agieren, dir für uns Europäer kaum vorstellbar ist. Wollen wir uns als vergleichsweise kleiner Onlinehändler-BAUR zwischen den USA und China erfolgreich behaupten, ist es hilfreich deren Erfolgsfaktoren einerseits zu kennen, aber andererseits auch die Schwächen zu entlarven, um in diesen Nischen Punkten zu können.

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